Requiem für den Bischof em. von Münster, S.E. Dr. Reinhard Lettmann

Requiem für den Bischof em. von Münster, S.E. Dr. Reinhard Lettmann

Am Freitag, den 10. Mai, um 18 Uhr, wurde in die Kirche S. Maria dell’Anima ein feierliches Requiem für Dr. Reinhard Lettmann gefeiert.
Reinhard Lettmann (9. März 1933 in Datteln, Westfalen; † 16. April 2013 in Bethlehem, Westjordanland) war Bischof von Münster. Er starb am 16. April 2013 während einer Pilgerreise vor der Geburtskirche in Bethlehem. Von 1960 bis 1963 studierte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und wurde dort in Kirchenrecht zum Dr. jur. can. promoviert. Als Student in Rom hat er in dem Päpstlichen Kolleg der Anima gewohnt.
Der festlichen Messe für den Bischof em. von Münster stand E. Emz. Kardinal Angelo Sodano, Dekan des Kardinalskollegiums vor. Es konzelebrierten der Rektor der Anima, Dr. Franz Xaver Brandmayr, und andere Rektoren sowie die Studenten des Kollegs. Einen großen Beitrag zur eucharistischen Feier hat der Chor Santa Maria dell´Anima gegeben.

Predigt von Kardinal Angelo Sodano

Das Leben als Gabe und Auftrag

Liebe Mitbrüder im (bischöflichen und) priesterlichen Dienst, Exzellenzen, verehrte Botschafter, Brüder und Schwestern im Herrn!

„Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand“ (Weish. 3,1): so lauten jene tröstlichen Worte aus dem Buch der Weisheit, die eben in der ersten Lesung dieser Eucharistiefeier verkündet wurden. Es sind Worte, die unsere Sicht auf das Leben und den Tod erhellen und dazu ermutigen, uns vertrauensvoll in die Hand Gottes zu überantworten.
In dieser Gewissheit haben die Gläubigen der Diözese Münster im vergangenen April ihren verstorbenen Hirten verabschiedet. Dieser geliebten Diözese hatte er sein ganzes Leben gewidmet, zunächst als Priester und dann als Bischof. Seit jenem fernen Jahr 1959, in dem er zum Priester geweiht wurde, und dann jenem Jahr 1973, in dem er die Bischofsweihe empfing, sind viele Jahre vergangen – gute 54 Jahre seelsorglichen Dienstes, beseelt von einer großen Liebe für Gottes heilige Kirche. Und vor einem Monat, im ehrwürdigen Alter von 80 Jahren, hat er seine Seele in die Hand Gottes zurückgegeben.
Auf dem Grab eines Priesters, der mir ein teurer Freund war, habe ich eines Tages die einfachen Worte gelesen: „Dilexit Ecclesiam“, er liebte die Kirche. Seine Gläubigen ließen sich inspirieren von den Worten, mit denen der heilige Paulus im Brief an die Epheser über Christus spricht, der „die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat“, „dilexit Ecclesiam et tradidit seipsum pro ea“ (Eph 5,25).
Auch auf das Grab des verstorbenen Hirten der Kirche von Münster könnte man diese beiden schönen Worte schreiben, die sein Leben als Diener des Herrn gut zusammenfassen.

1) Das Leben als Gabe
Wir sind hier heute im Gebet vereint, um dem Herrn dafür zu danken, dass er ihn uns geschenkt hat. Das Leben ist eine Gabe Gottes und es ist folglich richtig, wenn wir unser „Te Deum“ singen beim Gedenken an unseren lieben Mitbruder – für das Leben und das christliche Zeugnis, das er uns hinterlassen hat.
Jesus, der gute Hirte, hat den jungen Reinhard seine Stimme vernehmen lassen und rief ihn: „komm und folge mir nach“ – und dieser antwortete großherzig auf Jesu Einladung: er wurde Diener Christi in seiner geliebten Diözese Münster.
„Gabe und Geheimnis“ ist jedes priesterliche Leben, schrieb der selige Papst Johannes Paul II. anlässlich seines 50jährigen Priesterjubiläums (vgl. Dono e mistero – Libreria Editrice Vaticana, 1996). Gabe und Geheimnis war auch das Priestertum unseres verstorbenen Bischofs Reinhard. Wir wollen heute unserem Vater im Himmel dafür danken, dass er ihn uns geschenkt hat.
Der heilige Franz von Assisi lädt uns in seinem berühmten „Sonnengesang“ ein, dem Herrn für alle seine Gaben und auch für „Bruder Tod“ zu danken. Aber es ist offensichtlich, dass wir zuallererst dem Herrn für „Schwester Leben“ danken – die erste große Gabe, mit der Gott uns beschenkt hat.

2) Das Leben als Auftrag
Brüder und Schwestern im Herrn, das Leben ist ein Geschenk, aber es ist auch ein Auftrag. Für einen Diener Christi ist es eine große Herausforderung und eine hohe Verantwortung, die er vor Gott und den Menschen übernimmt.
Leider kann jeder von uns auch versagen in der Treue zu seinem Auftrag, den er empfangen hat. Daher will das eucharistische Opfer, das wir dem Vater im Himmel darbringen, auch eine Fürbitte für unseren lieben Mitbruder sein, auf dass Gott ihn sogleich in seine barmherzigen Hände aufnehme.

3) Ein kostbares Zeugnis
Brüder und Schwestern im Herrn, wenn wir jetzt unseres lieben Bischofs gedenken, wollen wir auch das Erbe annehmen, das er uns hinterlassen hat. Es ist das Erbe eines Lebens, das ganz erfüllt war von den Seligpreisungen aus der Bergpredigt, die eben im Evangelium verkündigt wurden.
Ja, unser verstorbener Mitbruder hat sich, wie jeder gute Hirte, das Ideal des Evangeliums zu eigen gemacht. Ganz besonders hungerte und dürstete er nach Gerechtigkeit; er war wahrlich ein Friedensstifter wird deshalb Sohn Gottes genannt werden (Mt 5,9). Er hatte auch unter manche Prüfungen des Lebens zu leiden und wird daher nun getröstet werden.
Als guter Hirte hat er stets auf die Barmherzigkeit unseres Vaters im Himmel vertraut. Daher vertrauen wir ihn auch unsererseits den Händen dessen an, der „reich an Erbarmen“ ist – „dives in misericordia“ (Eph 2,4).

4) Schluss
Ja, liebe Freunde, dies ist das kostbare Erbe, das uns Bischof Reinhard hinterlässt. In unseren Messen für Verstorbene singen wir den bekannten Hymnus der Totenliturgie: „In Paradisum deducant te Angeli“ „ins Paradies mögen dich Engel geleiten“. Ja, alle Engel und Heiligen mögen diesen Diener des Herrn im Paradies empfangen. Ganz besonders nehme ihn Maria auf, die Königin der Engel und Heiligen, die er stets voller Liebe verehrt hat.
Und schließlich ertöne auch für ihn die Stimme des Engels der Offenbarung: „Selig die Toten, die im Herrn sterben, von jetzt an… ihre Werke begleiten sie“ (Offenb 14,13). Amen!